Rebec mit Bogen

10. März 2018

 

Lange schon beschäftigte mich der Gedanke, wie man ein eventuell kindertaugliches und trotzdem vollwertiges historisches Da-braccio-Instrument gewinnen könne.

Bei Thomas Drescher, in seinen 2004 erschienenen Studien »SPIELMÄNNISCHE TRADITION UND HÖFISCHE VIRTUOSITÄT«, fand ich den Artikel: »Zum Weiterleben einer alten Tradition: Das Rebec in Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts«. Dieser regte mich zum Bau eines Rebec als dreisaitiges Oktavgeiglein anhand der beschriebenen historischen Quellen und Abbildungen an.

Im Folgenden zitiere ich einige Passagen, die für meine Herangehensweise wichtig waren:

„… Im Partiturdruck von Monteverdis L’Orfeo von 1609 findet sich sowohl in der vorangesetzten Tafel der Instrumente wie zu Beginn des zweiten Aktes die Angabe »duoi Violini piccioli alla Francese« … Die zwei Ritornelle der »Violini« liegen, loco gelesen, deutlich unter dem sonstigen Tonumfang der Violinstimmen, obwohl sie g nicht unterschreiten. Da »kleine« Instrumente verlangt sind, muß die Notation oktavtransponierend verstanden werden. Boyden vergleicht diesen Befund mit Angaben in Praetorius’ Syntagma Musicum II von 1619 und schließt daraus, die »Violini piccioli« seien jene Instrumente, die Praetorius in der Sciagraphia auf Taf. XXI als »Kleine Poschen / Geigen ein Octav höher« abbildet … Unter der Ziffer »1« ist ein kleines dreisaitiges Instrument in Rebecform … Monteverdi verlangt in den beiden Ritornellen nur den Umfang c’-es’’ (klingend c’’-es’’’), auf eine E-Saite (de facto also e’’’) kann deshalb verzichtet werden. Praktische Versuche zeigen, daß es unmöglich ist, auf einer Mensur von ca. 23-24 cm – dies ist in etwa die schwingende Saitenlänge bei vielen historischen Pochetten in Bootsform – eine Darmsaite auch nur annähernd auf e’’’ zu bringen, während die drei tieferen Saiten – entsprechend dünn gewählt – problemlos aufziehbar sind. Dies korrespondiert mit den Angaben in Praetorius’ »Tabella universalis« … Stimmungsvariante … g’-d’’-a’’ … ist diejenige, die Monteverdi mit der transponierenden Notation wohl im Sinn hat …

Die Instrumente tauchen im »Orfeo« nur kurz, aber keineswegs peripher auf … erste instrumentale Äußerung zu Beginn des zweiten Aktes … »Violini piccoli« stehen gewissermaßen als Motto zu Beginn dieses Ablaufs … von deutlicher Symbolik … das Bild … arkadischer Ländlichkeit … Instrumentenpaare … , die den Gesang der Hirten umrahmen …

Die beiden Ritornelle der »Violini piccoli« korrespondieren mit den folgenden der »Violini ordinarii« und in ganz spezifischer Weise mit den darauf erklingenden zwei »Flautini«, deren Part ebenfalls oktavtransponierend notiert ist …

Die Frage … lautet: Warum nennt Monteverdi die kleinen Instrumente »alla francese«? …

Monteverdis Nomenklatur korrespondiert hinsichtlich des Bezugs zu Frankreich mit den Erklärungen bei Prätorius … Wenn hinter Monteverdis Bezeichnung tatsächlich ein dreisaitiges Instrument in Rebecbauweise steht, dann ist die implizite Herkunftsangabe »alla francese« ein Indiz dafür, daß solche Instrumente in Italien um 1600 nicht mehr gebräuchlich waren und ihre Heimat deshalb im Bereich jenseits der Alpen gesehen wurde.“

 

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